Social Media gehört zum Handwerk
Es war der Blick in eine mögliche Zukunft des Handwerks – ein Handwerk, das neben fachlichem Können stark auf Social-Media und künstliche Intelligenz setzt. Geblickt hatte Landrat Raimund Kneidinger und demonstriert hatte es Bernhard Terla, Inhaber des Zimmereibetriebs TS Holzbau in Tiefenbach.
Der Firmenbesuch im Rahmen von Kneidingers Initiative „Landrat trifft Wirtschaft“ gemeinsam mit Vertretern der Wirtschaftsförderung, der Arbeitsagentur, des Jobcenters und Tiefenbachs 2. Bürgermeister Uwe Urtel hatte bewusst den Handwerksbetrieb in Seining zum Ziel, da hier zwei für den Landkreis wichtige Standortthemen im Mittelpunkt stehen: Gelungene Betriebsnachfolge und erfolgreiche Fachkräftegewinnung. Bernhard Terla schilderte hier den Einstieg in den Schreinerei-Betrieb des Schwiegervaters und die nachfolgende Neuausrichtung als Zimmerei. Für die Behauptung am Markt und auch die Gewinnung von Fachkräften setzt Terla nach eigenem Bekunden mehr als im Handwerk sonst üblich auf digitale Kanäle. Damit sei er sowohl als Betrieb und Person, aber auch mit Angeboten wie der Vier-Tage-Woche permanent in Social Media präsent – „und das mit ständig neuen Inhalten, mit gezielten Kampagnen und mit der Bereitschaft, auch ein Stück weit gläsern zu sein“, erklärte der Firmeninhaber. Dabei habe er bei der Personalsuche seine Strategie so verfeinert, dass er KI-unterstützt mittlerweile fast ohne Streuverluste gezielt potenzielle neue Mitarbeiter ansprechen könne.
Eine strategisch ausgerichtete Kommunikation sei auch wichtig bei der Gewinnung neuer Kunden, erklärte Bernhard Terla. Dabei setze er auch hier auf die digitale Präsenz im Netz, am Ende aber auf den persönlichen Kontakt und das Gespräch. Landrat Raimund Kneidinger konnte ihm hierbei nur beipflichten. „Moderne Kanäle nutzen, um bekannt zu werden und Kontakte anzubahnen, dann aber mit Persönlichkeit und Können zu überzeugen: Das ist eine Strategie, die zum modernen Handwerk passt.“ Wenn es dabei gelinge, sich soweit zu profilieren, dass im Wettbewerb nicht nur der Preis entscheide, sondern das Gesamtpaket der Leistungen, sei man auf dem richtigen Weg.
Zweiter Bürgermeister Uwe Urtel bezeichnete Terlas Zimmereibetrieb als Glücksfall für die Gemeinde, da damit ein Handwerksstandort erhalten bleibe. „Gerade in Zeiten, in denen der ländliche Raum eher Nahversorgung und wirtschaftliche Strukturen verliert als gewinnt, sind Positivbeispiele wie TS Holzbau besonders wertvoll“.
Mit Bernhard Terla und seiner Frau Susanne arbeiten insgesamt elf Personen in der Zimmerei, deren Schwerpunkt die Sanierung und Erweiterung ist. Als eines der nächsten Projekte will Bernhard Terla ein Nahwärmenetz in Seining aufbauen, befeuert durch Holzabfälle aus seinem Betrieb.