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Kirchendachsanierung in Vilshofen: Landkreis unterstützt mit 5.000 Euro aus Denkmalpflegemitteln

Bei der Scheckübergabe an der Baustelle hoch über den Dächern der Vilshofener Altstadt: Landrat Raimund Kneidinger (vorne v.l.), Kirchenpfleger Ludwig Silbernagl, Altlandrat Franz Meyer, Stadtpfarrer Lother Zerer (hinten v.l.), Denkmalschützer Alois Spieleder und Vilshofens Bürgermeister Florian Gams. (Foto: Landratsamt; Nachbildung/3D-Modell: Planungsbüro Grassl)

Meldung vom 27.06.2021 Sanierung kostet über eine Million Euro – Steinmetzzeichen bei Bauarbeiten entdeckt

Passau/Vilshofen a.d. Donau. Das marode Dach der Vilshofener Stadtpfarrkirche musste dringend saniert werden. Morsches Gebälk und in die Jahre gekommener Unterbau hätten schweren Lasten beispielsweise in einem schneereichen Winter wohl nicht mehr standgehalten.

Die Kosten für die Generalsanierung des Daches belaufen sich nach den Planungen auf gut eine Million Euro. Etwa 700.000 Euro übernimmt die Diözese, die übrigen mehr als 300.000 Euro muss die Vilshofener Pfarrei tragen. Der Eigenanteil der Kirchengemeinde kann zum Teil aus Rücklagen finanziert werden, zudem ist die Kirchenstiftung aber auf Spenden angewiesen. Bereits im letzten Jahr konnte Landrat Raimund Kneidinger einen Scheck über 5.000 aus Dispomitteln der Sparkasse übergeben. Der Landkreis Passau unterstützt die Pfarrei nun mit weiteren 5.000 Euro aus Denkmalpflegemitteln. Normalerweise sind diese Mittel auf 3.000 Euro pro Maßnahme gedeckelt, das zuständige Gremium hat für die Kirchendachsanierung an der Vilshofener Stadtpfarrkirche eine Ausnahme ermöglicht. Vilshofens Bürgermeister Florian Gams, Stadtpfarrer Lothar Zerer und Kirchenpfleger Ludwig Silbernagl zeigten sich dankbar für die großzügige Unterstützung durch den Landkreis mit Landrat Raimund Kneidinger, Altlandrat Franz Meyer und Alois Spieleder von der Unteren Denkmalschutzbehörde.

Wenige Tage nach der Spendenübergabe kam bei den Bauabreiten ein wertvolles Zeugnis der gotischen Baugeschichte zutage: Am Gesims des Dachstuhls wurde ein altes Steinmetzzeichen entdeckt. Hier findet sich auch ein rätselhafter Narrenkopf, der in das Dachgesims integriert ist. Bei der Reinigung des überstrichenen Gesims und des Freskos wurde das kleine Zeichen sichtbar. „Steinmetzzeichen sind die individuellen Signaturen der gotischen Steinmetze und dienten vor allem der Abrechnung. Die Steinmetze der Gotik wurden schließlich nach Werkstücken bezahlt und beim Bau einer gotischen Kirche waren mehrere Bauhütten beteiligt,“ weiß der Passauer Kreisarchäologe und Denkmalschützer Alois Spieleder.

Die Zeichen selbst erinnern oft an Runen und können Hinweise auf die Datierung und den mittlerweile unbekannten Schöpfern der Vilshofener Kirche geben. „Der Steinmetz des Mittelalters war einer der wenigen Berufe, der eine äußerst hohe Mobilität aufwies. Nachdem ein Kirchenbau fertiggestellt war, zogen die Steinmetze oft mehrere hundert Kilometer weiter, um neue Arbeit zu finden“, so Spieleder. „Mittlerweile betreibt die Dombauhütte Wien eine Datenbank über die Steinmetzzeichen. Wir möchten das Vilshofener Zeichen darin einspeisen. Bei der Durchsicht der Datenbank und anderer einschlägiger Werke, die sich mit den Steinmetzzeichen beschäftigen, wurde zwar ein ähnliches Zeichen in Freiburg gefunden, eine exakte Parallele ist bisher allerdings nicht bekannt“, erklärt der Denkmalschützer weiter. Auch der Hutthurmer Sakralbauer Thomas Grassl, der die Sanierung an der Vilshofener Stadtpfarrkirche als Bauleiter begleitet und den Fund an Spieleder gemeldet hat, kannte noch keine Parallele. Dennoch betont er die Wichtigkeit des Fundes: „Wir haben eine exakte Datierung der Erbauung, das Jahr 1513, wir haben die Signatur des Steinmetzzeichens und möglicherweise ein Selbstbildnis des Bildhauers, der sich als Narr darstellte.“ Auch auf die Frage, warum der Narrenkopf von unter dem Kirchendach nach unten schaut, weiß Grassl eine Antwort: Die ersten bildlichen Darstellungen gehen auf das 13. Jahrhundert zurück und zwar in theologischem Kontext unter Bezug auf Psalm 53, der mit den Worten beginnt: „Der Narr sprach in seinem Herzen: ‚Es gibt keinen Gott‘.“ Dementsprechend wendet der Narr seinen Blick vom Himmel und damit von Gott ab und schaut in Richtung Boden. 

Alois Spieleder und Kreisheimatpfleger Rudolf Drasch zeigten sich begeistert über die Entdeckung unter dem Kirchendach. „Passau hat seinen Tölpel, Vilshofen hat jetzt seinen Narr“, scherzte der Kreisheimatpfleger bei einem Ortstermin. Mittlerweile wurde zu Dokumentationszwecken ein 3D-Modell von dem Narr und dem Steinmetzzeichen am Vilshofener Kirchendach erstellt, die Kosten für die Dokumentation übernimmt die Denkmalschutzbehörde am Landratsamt Passau.

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