Kreistag Landkreissaal Februar 2017
Landratsamt_3847.jpg
Landkreis Passau Landkreis Passau

Vereinte Nationen zeichnen Gebietsbetreuer aus

20.07.2017 Bayerisches Projekt erhält UN-Ehrentitel - Im Landkreis Passau sind drei Gebietsbetreuer tätig

Passau. Ein Zertifikat und eine Trophäe – damit wurde die bayerische Gebietsbetreuung als Dekade-Projekt zur biologischen Vielfalt von den Vereinten Nationen (UN) ausgezeichnet. Die Idee entstand schon Ende der 1990er, als der erste Gebietsbetreuer seinen Dienst aufnahm. Das Konzept, die Stellen aus Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds zu fördern, hat sich als erfolgreich erwiesen. Sechs Jahre nach dem Beginn des Pilotprojekts am Ammersee wurde daraus ein bayernweites Projekt. Inzwischen sind bayernweit 42 Fachleute für 37 Schutzgebiete eingesetzt. Im Landkreis Passau sind drei Gebietsbetreuer für die Schmankerl der heimischen Natur zuständig – Andrea Bruckmeier für den Unteren Inn, Stefan Poost für die Ilz und Sebastian Zoder für die Donauleiten von Passau bis Jochenstein. Die Aufgabe der Gebietsbetreuer besteht in erster Linie nicht darin, als „Öko-Sheriffs“ empfindliche Biotope vor Störungen zu schützen und den Menschen auszuschließen. Vielmehr sollen sie in der Bevölkerung ein Bewusstsein für die Schätze der Natur schaffen. „Als wichtige Ansprechpartner vor Ort erfüllen sie durch ihr Engagement und ihren Sachverstand den Naturschutzgedanken mit Leben“, sagte Christian Barth, Amtschef im bayerischen Umweltministerium, bei der UN-Preisverleihung in Kottgeisering.

Die Gebietsbetreuer arbeiten intensiv mit lokalen Forst- und Landwirten sowie Behörden zusammen. Ihr Ziel ist es, in Abstimmung mit allen Beteiligten, die Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu verbessern und zu erhalten. „Die Resonanz ist sehr gut“, erklärt Zoder. Häufig kommen die Flächenbesitzer von sich aus auf die Gebietsbetreuer zu, um sich fachlichen Rat zu holen. Die Gebietsbetreuer bieten aber auch regelmäßig Führungen in ihre Gebiete an und dokumentieren ausgewählte Tier- und Pflanzenarten. Dazu zählt beispielsweise die Smaragdeidechse in den Donauleiten, die Sibirische Schwertlilie an der Ilz oder verschiedene Orchideen-Arten am Unteren Inn. Ohne das Know-How der Fachleute vor Ort, wäre der Schutz solcher Raritäten schwieriger.

Die Finanzierung der Stellen ist nicht einfach und abhängig von der bayerischen Haushaltsplanung. Die Verträge der Betreuer werden nur für je drei Jahre geschlossen. Deswegen hätten sie im Jahr 2015 fast ihre Förderung verloren. Damals wurden vom Europäischen Sozialfonds neue Kriterien für den Bezug der EU-Fördermittel beschlossen. „Da haben die Projekte in Bayern gar nicht mehr reingepasst“, sagt Zoder. Die Rettung kam durch das Engagement vieler bayerischer Politiker und Fachverbände, die sich geschlossen hinter das Projekt gestellt haben. „Das war schon beeindruckend“, sagt Zoder, „Politiker und Verbände unterschiedlichster Couleur haben sich für uns eingesetzt.“ Auch der Landrat des Landkreises Passau Franz Meyer hat sich damals beim Ministerium massiv für die Fortführung des Projektes eingesetzt. Mit Erfolg. Der Bayerische Naturschutzfonds, unterstützt vom zuständigen Ministerium, entschloss sich, den Großteil der Kosten zu übernehmen. Den Rest stemmen, wie bisher, die jeweiligen Träger. Für die lokalen Betreuer sind das der Landschaftspflegeverband Rottal-Inn, der Naturpark Bayerischer Wald und das Haus am Strom. „Somit gilt die Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt nicht nur uns Gebietsbetreuern und unserer Arbeit, sondern auch den zahlreichen Unterstützern, die für uns gekämpft haben und auch weiterhin für uns kämpfen“, da sind sich die drei Betreuer im Passauer Land einig.



Die bayerischen Gebietsbetreuer bei der Verleihung der Auszeichnung „UN-Dekade-Projekt“ mit Umweltministeriums-Amtschef Christian Barth (Mitte)
(Foto: Andreas Riedmiller)

Andrea Bruckmeier
Stefan Poost
Sebastian Zoder