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Ökokonto: Der "Deal" mit der Natur

25.04.2017 Landschaftspflegeverband Passau bewirtschaftet 200 Hektar ökologisch wertvolle Fläche — Sparkasse bietet Ausgleichsflächen vom Ökokonto

Ausgleichsflächen, die der Gesetzgeber bei größeren Bauvorhaben fordert, können für Bauherren zum Problem werden. Entweder müssen sie einen Teil ihres Grundes ökologisch bewirtschaften oder sich in unmittelbarer Umgebung um weiteren Grund bemühen. In Stadt und Landkreis Passau gibt es seit Jahren einen anderen Weg: das Ökokonto. Das heißt: Die Sparkasse kauft die Flächen, überträgt die Bewirtschaftung dem Landschaftspflegeverband und bietet somit Bauwilligen wertvolle Ausgleichsfläche. Schreiner Alois Vogl aus Ortenburg wurde so der Weg zur Erweiterung erleichtert: „Innerhalb von zwei Wochen war die Sache erledigt“, erzählt er.

Das Ökokonto war 182 Hektar „schwer“. Heute ist es eine riesige blühende Landschaft im Neuburger Wald, in die die beauftragten Landwirte das ehemalige Munitionsdepot der Bundeswehr verwandelt haben. Auch diese Fläche diente als Ausgleich für große Vorhaben in Stadt und Landkreis Passau und wurde über die Sparkasse Passau vermarktet. Das Prinzip ist auch beim Zuwachs für das wertvolle Konto das gleiche: Elf Hektar landwirtschaftliche Fläche in der Nähe von Pleinting erwarb das Kreditinstitut und verkauft die Anteile nun an Bauherren. Dafür, dass sich hier in den nächsten 25 Jahren eine wertvolle blühende Landschaft entwickelt, ist der Landschaftspflegeverband mit Sitz in Fürstenzell zuständig.

Das Ökokonto war Thema bei der Wirtschaftswoche im Landkreis Passau. Sie stand unter dem Titel „Nachhaltigkeit“ und auf der Wiese von Daxlarn bei Pleinting zeigte Landrat Franz Meyer, „was Ökologie und Wirtschaft miteinander zu tun haben“. Denn diese Fläche wird künftig als Ausgleich für vornehmlich gewerbliche Bauten genutzt. Ein Beitrag dazu, so der Landrat, dass Betriebe sich in der Region ansiedeln können und „die Arbeit zu den Menschen bringen“.

Im Gasthaus Baumgartner stellten Franz Elender, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands, Eckhard Helber, Vorstandsmitglied der Sparkasse Passau, und Martin Schramm, bei der Sparkasse Ansprechpartner für das Ökokonto, sowie Carmen Vidal von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt, diese Idee, die als „Passauer Modell“ in Bayern längst Vorbildfunktion hat, vor. Franz Elender: „Wir haben zehn Jahre Vorsprung.“

Ein Dilemma wurde im Gespräch deutlich: Dass Ausgleichsfläche zum Kauf zur Verfügung steht und als solche auch von der Naturschutzbehörde anerkannt, sogar begrüßt wird, ist zu wenig bekannt. Landrat Franz Meyer regte an, dass auch die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer mit Informationen versorgt werden, damit sie diese wiederum an ihre Mitglieder weitergeben können.

Denn die Unkenntnis, die zum Bedauern von Landschaftsarchitekten und Landschaftspflegeverband auch bei Planern besteht, führt im Endspurt von Neubauprojekten zu Verzögerungen - und am Ende ist dann oft „der Naturschutz“ verantwortlich dafür, das Projekte aufgehalten werden. Dabei betont Landrat Franz Meyer: „Die Untere Naturschutzbehörde ist als staatliche Behörde an die Vorgaben gebunden und macht nicht die Gesetze.“

Schreiner Alois Vogl erfuhr im Landratsamt vom Ökokonto, als er die Erweiterung seiner Schreinerei in Ortenburg plante. Er konnte sich problemlos die erforderliche Ausgleichsfläche besorgen. Wie auch die Sparkassen-Fachleute betonten, ist das Ökokonto nicht den eigenen Kunden vorbehalten, was auch Schreiner Vogl bestätigt.

Vom ehemaligen Munitionsdepot, das auf dem Gebiet der Stadt Passau und des Marktes Fürstenzell liegt, sind heute nur noch 3000 Hektar übrig, die als Ausgleich verkauft werden dürfen. „Nicht warten, bis alles aufgebraucht ist“, freut sich Landrat Franz Meyer, dass neues Guthaben gefunden ist: eine 11 Hektar große Fläche in Daxlarn, oberhalb von Pleinting.

Der Landschaftspflegeverband kümmert sich darum, dass aus der einst intensiv genutzten landwirtschaftlichen Fläche eine blühende Landschaft wird, „wie ein Museum der Natur“, beschreibt Geschäftsführer Franz Elender die Arbeit, die 150 Landwirte im Auftrag des Verbands auf bereits 130 Flächen in der Region übernehmen. Das heißt: kein Dünger, weniger Ernte, keine Hochleistungspflanzen, sondern Ursprung, wie durch Einkorn, Emmer, Dinkel und Roggen, die im Wechsel auf einem Hektar Acker in Daxlarn angebaut werden.

Landwirt Hans Donauerbauer, der das Feld nach den Vorgaben des Landschaftspflegeverbands weiter bewirtschaftet, gefällt dieser Umgang mit der Natur. Der Ertrag betrage immerhin noch 22 Doppelzentner pro Hektar. Weniger als mit herkömmlicher Landwirtschaft, „aber Düngen kostet auch Zeit und Geld“, sagt er.

Neben den Feldern entstehen Magerwiesen. Das hört sich weniger an als es tatsächlich ist. „Der archtenreichste Lebensraum überhaupt“, beschreibt Landschaftsarchitektin Dorothee Hartmann (Landschaft + Plan) den Wert, „auf einem Quadratmeter Magerwiese gibt es mehr Arten als im Regenwald!“.

Als Landrat Franz Meyer mit der Delegation der Wirtschaftswoche, zu der auch Vilshofens Bürgermeister Florian Gams sowie Landwirte gehörten, auf der Wiese mit Blick auf Pleinting stand und sich die Vielfalt anschaute, war er nicht nur von der herrlichen Frühlingslandschaft begeistert, sondern auch davon, wie gut hier Wirtschaft und Natur im Einklang sind: „Und ich wurde gefragt, was ein Ökokonto mit der Wirtschaftswoche zu tun hat“, schmunzelt er.

Kategorien: Natur