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Ein Hoch auf die Flussperlmuschel

06.04.2017 Wie ein bundesweites Naturschutzprojekt auch der Wirtschaft dient

Man sieht sie nicht, aber man merkt es, wenn sie nicht mehr da ist. Die Flussperlmuschel ist ein hochsensibles und anspruchsvolles Lebewesen, das sich nur mit bestem Wasser und einem funktionierenden Ökosystem in der Umgebung zufrieden gibt. Diese Lebensbedingungen herrschen an der Ilz, weshalb Nachzucht und Auswildern der Flussperlmuschel als Projekt des Bundesumweltministeriums mit erheblichen Mitteln gefördert wird.

Ein starkes Stück Natur wie dieses, dessen Lebensraum sich von Passau über drei Landkreise bis in den Bayerischen Wald erstreckt, dient nicht nur der Erhaltung einer vom Aussterben bedrohten Lebensart, sondern auch Einheimischen und Touristen. Somit ist intakte Natur ein „zentraler Standortfaktor“, erklärte Landrat Franz Meyer am Dienstag (4. April) vor rund 50 Besuchern in der Schlosswirtschaft von Fürsteneck, warum die Flussperlmuschel und die Wiedereröffnung der Info-Stelle, ebenfalls im Schloss Fürsteneck befindlich, Teil der Wirtschaftswoche des Landkreises Passau ist, und unter dem Begriff „Nachhaltigkeit“ steht.

„Bildung, kulturelles Angebot und Natur - das sind längst die zentralen Standortfaktoren geworden“, so Meyer. Eine Region, die sich als Lebens- und Wohnstandort attraktiv zeigen will, „muss den Respekt vor der Schöpfung auch zeigen“, betonte der Landrat, der im Namen der Trägergemeinschaft für die Partnerlandkreise bzw. die Stadt Passau sprach.

Schloss Fürsteneck liegt zwar im Landkreis Freyung-Grafenau, allerdings ist die Pflege der Flussperlmuschel ein interkommunales Projekt: Stadt und Landkreis Passau sowie die Landkreise Freyung-Grafenau und Regen, die wiederum im Naturpark Bayerwald zusammenarbeiten, waren durch die Landräte Sebastian Gruber (FRG) und Michael Adam (Regen) sowie Bürgermeisterin Erika Träger (Passau) vertreten. Außerdem dabei: Regierungsvizepräsident Helmut Graf sowie zahlreiche Bürgermeister und Naturschutzbeauftragte aus Landratsämtern und Rathäusern wie Christiane Kotz von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Passau.

Die Verknüpfung von Wirtschaft und Natur sprach Projektleiter Dr. Marco Denic an und mahnte, die Pflege der Flussperlmuschel nicht als Luxus anzusehen. Vielmehr sei das Vorkommen der Flussperlmuschel ein sicherer Indikator für die wertvolle Ressource sauberes Wasser. Im Umfeld der Flussperlmuschel, so Denic, gedeihen 400 Arten von Flora und Fauna. Die Natur bedankt sich somit reichlich für den sorgsamen Umgang. Das muss in der Öffentlichkeit entsprechend vermittelt werden, auch das sah Denic als eine wichtige Aufgabe an, denn im Einzugsgebiet der Ilz „prallen die Meinungen manchmal sehr aufeinander“.
Landrat Meyer betonte, dass, „wenn es um Naturschutz geht, die Landwirtschaft immer mit im Boot ist“ und erklärte das Flussperlmuschelprojekt zum einem „der großen Leuchttürme unserer Region“. Das solle selbstbewusst dargestellt werden: „Drei Landkreise und die kreisfreie Stadt — gemeinsam für eine kleine Perle, die für Großes steht.“

Sauberes Wasser ist nicht nur Lebensgrundlage für die Organismen im und am Fluss, sondern auch für ein neues Bier, das die Brauerei Hutthurm zu Ehren der Flussperlmuschel gebraut hat. Braumeister Markus Kampf stellte die Gemeinsamkeiten von Muschel und „Ilzer Perle“, so der Name des neuen Bieres (4,9 Prozent), vor. Das erste Fass wurde zur Feier des Tages angezapft: Hutthurms Bürgermeister Hermann Baumann brauchte dazu vier Schläge, ehe er „Ozapft is“ ausrief. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Ranzinger Dreigsang.

Eröffnung:
Die Infostelle über die Flussperlmuschel im Schloss Fürsteneck ist erweitert und eröffnet (v.l.): Passaus Bürgermeisterin Erika Träger, Regierungsvizepräsident Helmut Graf, Sebastian Gruber, Landrat Freyung-Grafenau, Heinrich Schmidt, Geschäftsführer Naturpark Bayerwald, Dr. Marco Denic, Projektleiter Flussperlmuschel beim Landschaftspflegeverband, Passaus Landrat Franz Meyer, Bezirksrat Josef Heisl und Regens Landrat Michael Adam.

Kategorien: Wirtschaft, Natur