Kreistag Landkreissaal Februar 2017
Landratsamt_3847.jpg
Landkreis Passau Landkreis Passau

Die Zukunft der Energiegewinnung

10.04.2017 Holzenergie Wegscheid ist Ziel am vierten Tag der Wirtschaftswoche - Patentierte Anlagen weltweit begehrt

Einen „innovativen Zukunftsbetrieb“ nannte Landrat Franz Meyer die Firma Holzenergie Wegscheid beim Besuch am vierten Tag der Wirtschaftswoche im Landkreis. Sie steht im Zeichen von „Nachhaltigkeit“ — quasi das Kerngeschäft von „Holzenergie Wegscheid“. Denn das Unternehmen entwickelt und baut effiziente Anlagen, die Holz in Strom und Wärme umwandeln.

Von diesem Unternehmen war auch Hans Peter Göttler, Vorstandsmitglied der Bayerischen Förderbank LfA fasziniert und lobte den „großen Idealismus“, den Unternehmer Walter Schätzl an den Tag legt.

„Als Hobby“ hatte Schätzl 2008 mit seinem Schwager Erhard Resch einen Holzvergaser ausgetüftelt und gebaut, um den Rohstoff Holz, gerade im Wegscheider Land reichlich vorhanden, zu nutzen und in Energie und Wärme umzuwandeln. Der Nachbarbetrieb in Wegscheid war der erste Kunde und der Beginn einer beachtlichen Entwicklung. 2009 wurde der Prototyp installiert, die Anlage arbeitet noch heute, davon konnte sich auch die Besuchergruppe in Kasberg bei Wegscheid ein Bild machen. Die „Vorrichtung zum Trocknen schüttgutförmiger Biomasse sowie Biomassevergasungsanlage“ wurde 2015 patentiert. Ein nächstes Patent ist in Arbeit.

2010, so berichtete Geschäftsführer Schätzl am Donnerstag (6. April), wurde die erste Anlage verkauft. Das Interesse wuchs. Anlagen von Holzenergie Wegscheid beheizen das Erlebnisbad in Bamberg, dienen der Heizschnitzeltrocknung in Bayreuth, versorgen in Kelheim ein Altenheim mit Energie oder ein Wellnesshotel in Freudenstadt. Mittlerweile liefert das Unternehmen, das zurzeit 73 Mitarbeiter beschäftigt, seine Anlagen hauptsächlich ins Ausland. Malaysia und andere asiatische Länder nannte Walter Schätzl als Abnehmer, aber auch Kanada, Lettland oder Kroatien. Deutsche Technologie als Markenzeichen werde geschätzt. Der Unternehmer berichtete von seiner jüngsten Erfahrung in Malaysia: Das Angebot, einen günstigeren Motor aus China in der Anlage zu verbauen, wurde abgelehnt, „sie wollen in Deutschland gefertigte Produkte“, betonte Schätzl.

Das neue Energieeinsparungsgesetz 2014, das die Einspeisevergütung alternativer Energien drastisch senkte, brachte zunächst schwierige Zeiten für das Unternehmen aus Sonnen, „die Aufträge gingen auf Null“. Es war, so der Unternehmer, „eine katastrophale Signalwirkung“. Nach einem halben Jahr sei jedoch vor allem von ausländischen Kunden erkannt worden, dass die Entscheidungen politischer Natur waren, und mit Holzvergasungs-Anlagen nicht nur umweltfreundlich und ressourcensparend Strom erzeugt, sondern die Wärme auch gut genutzt werden kann. Der Umsatz, der im kritischen Jahr nicht einmal die Million erreichte schnellt seither nach oben. In diesem Jahr rechnet der Geschäftsführer mit 30 Millionen Euro.

2014 zog Holzenergie Wegscheid wegen Platzmangels nach Sonnen, wo sich Bürgermeister Hans Binder „stolz auf dieses Unternehmen“ zeigte. Doch schon reicht der Platz wieder nicht mehr aus. Zum einen steigt die internationale Nachfrage, zum anderen setzt Unternehmer Schätzl auf noch mehr eigenes Know-How: die Schaltschränke will Holzenergie Wegscheid künftig selbst planen, bauen und programmieren, den V8-Motor selbst herstellen, in Serienfertigung ging gerade ein Schneckenhacker, der das Holz auf die erforderliche Größe bringt, das Patent für einen verbesserten Heizgasfilter ist angemeldet. Ab 2018, so erklärte Walter Schätzl, „wollen wir den Großteil des Blockheizkraftwerks selber produzieren“. 

Nicht die Zahlen alleine beeindruckten die rund 40 Besucher, darunter neben LfA-Vorstandsmitglied Göttler, Handwerkskammer-Vizepräsident Richard Hettmann, IHK-Hauptgeschäftsführer Walter Keilbarth sowie Vertreter von verschiedenen Banken und Kreditinstituten aus der Region, sondern die Erfolgsgeschichte, die der innovative Unternehmer innerhalb weniger Jahre geschrieben hat. Seine Arbeitsphilosophie hat er in der Fertigungshalle groß an die Wand schreiben lassen: „Immer wenn Aristoteles eine neue Idee hatte, ließ er einen Ochsen schlachten. Seitdem haben alle Ochsen Angst vor neuen Ideen“.

Ein erfolgreiches Unternehmen braucht indes nicht nur gute Ideen, sondern auch Geld. Landrat Meyer erklärt: „Für die Wirtschaft im Landkreis Passau ist die LfA ein wichtiger Impulsgeber“. Die Förderbank habe 2016 durch günstige Kredite Investitionen in Höhe von gut 35 Millionen Euro finanziert. „Von der Wirtschaftskraft der Unternehmen im Landkreis Passau bin ich sehr beeindruckt. Und gut für die Zukunft aufgestellt – das sind Unternehmen mit dem passenden Förderpaket. Zusammen mit unseren örtlichen Partnern bei den Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken unterstützen wir Jungunternehmer und Mittelständler bei ihren Investitionen. Das schafft Wachstum und Arbeitsplätze am Standort. In den letzten drei Jahren haben wir den Betrieben im Landkreis Passau über 100 Millionen Euro an Förderkrediten zugesagt. Investiert wurde vor allem in Betriebserweiterungen, Gründungen und Unternehmensnachfolgen sowie Modernisierungen,“ so LfA-Vorstandsmitglied Göttler.

 

Viel eigenes Know-How steckt in den Anlagen: Geschäftsführer Walter Schätzl (von links) führt die Besuchergruppe mit Handwerkskammer-Vizepräsident Richard Hettmann, Landrat Franz Meyer, Leitendem Regierungsdirektor Klaus Froschhammer, Bürgermeister Hans Binder sowie Wirtschaftsreferentin Heidi Taubeneder durch die Büros.
Besichtigung der Ur-Anlage: Sie wurde 2008 in Kasberg bei Wegscheid gebaut und arbeitet immer noch zuverlässig. Walter Schätzl (von links) erklärt Hans Peter Göttler, Vorstandsmitglied der LfA Förderbank, und Landrat Franz Meyer die Funktion.
So arbeitet ein Biomasseheizkraftwerk: Eine große Delegation besichtigt im Rahmen der Wirtschaftswoche im Landkreis Passau Holzenergie Wegscheid.